percussion

Die Trommeln Südindiens




Mridangam, die wichtigste Trommel der südindischen klassischen Musik.

Mridangam

Die Mridangam ist wohl die wichtigste Trommel der südindischen klassischen Musik. In der Konzertbesetzung ist sie die erste Trommel, gefolgt von Ghatam und Kanjira. Übliche Konzertbesetzungen sind Gesang, Geige, Mridangam, Ghatam, oder Instrumentalkonzerte mit Geige, Veena oder Flöte. Egal wie die Besetzung ist, die Mridangam ist immer dabei. Alle klassischen südindischen Trommler lernen Mridangam. Erst später spezialisieren sie sich einige auf andere Instrumente wie Ghatam, Kanjira oder auch Morsing (Maultrommel).

Mridangam spiele ich hierzulande hauptsächlich für akustische Besetzungen ohne Schlagzeug. Außer indischen Musikern habe ich damit schon arabische, persiche oder auch afghanische Musiker wie z.B. den Sänger und Harmoniumspieler Jamal Mohmand aus Afghanistan und die persische Sängerin- und Lyrikerin Bejhat Mehdizadeh begleiten können.

Und so hört sich eine Mridangam an.


Konzert in Bangalore mit der Sängerin M.S. Vydia

Die Spielweise

Die Mridangam hat zwei Felle und wird auf beiden Seiten gespielt. Auf einer Seite wird der Bass- Sound erzeugt und auf der anderen die hohen Töne. Die Bass- Seite wird mit der ganzen Hand gespielt und die Diskant- Seite mit den Fingern. Man kann darauf viele verschiedene Sounds produzieren.

Diskant- Sound der Mridangam.

Bass- Sound der Mridangam.


Bass-Seite der Mridangam

Die Bauweise

Der Aufbau der Mridangam ist sehr kompliziert. Das Fell auf der Bass- Seite ist dreilagig. Zwei Büffelfelle und ein dünnes Ziegenfell. Die Büffelfelle werden in der Mitte rund aufgeschnitten und sie bedecken das Ziegenfell. Dadurch hat das Ziegenfell weniger Resonanzfläche und dadurch einen tieferen Klang. Für das Konzert wird in die Mitte des Ziegenfelles eine Paste aus Weizengrieß geklebt. Erst dann ergibt sich der typische Mridangam- Bass. Der Grieß muss ständig feucht gehalten werden.


Mridangam, rechte Seite.

Wie nicht anders zu erwarten, hat die Diskant-Seite ebenfalls einen mehrlagigen Aufbau. Wieder ist ganz unten ein durchgehendes Ziegenfell. Darauf kommt das Deckfell aus etwas dickerer Ziege (gemästet). Dieses ist wieder rund ausgeschnitten und in diesem Bereich wird auf das untere Fell ein schwarzer Punkt (Karnay) aus Gesteinsmehl aufgerieben.

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Christian mit Embryo.

Kanjira

Man sagt, die Kanjira wäre die kleinste Rahmentrommel der Welt. Ich weiß nicht ob das stimmt, wer hat schon die Übersicht über alle Trommeln dieser Welt. Wie dem auch sei, es ist schon erstaunlich, was man aus diesem kleinen Ding herausholen kann.

Wie oben schon erwähnt, wird sie in der Karnatic- Music als zweite Trommel neben der Mridangam gespielt. Ich spiele sie bei jeder Gelegenheit. Über ein Mikro verstärkt reich ihr Klangspektrum von Talking Drum bis Presslufthammer.


Kanjira

Die Kanjira besteht aus einem gedrechselten Rahmen aus Jackfruit – Holz, auf dem Rahmen ist  eine kleine Schelle aus Münzen angebracht. Das Fell ist von einem Lizard, also von einer Eidechse, und wird unter Spannung auf den Rahmen geleimt. Zum Spielen wird das Fell befeuchtet, dadurch entsteht der tiefe Bass- Sound.

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Indische Maultrommeln

Morsing (Maultrommel)

Auch Maultrommeln werden in klassischen südindischen Konzerten gespielt. Meistens als drittes Perkussionsinstrument. Es gibt sie in Indien handgeschmiedet und in unterschiedlichen Stimmungen.

Mit der Maultrommel kann man nicht nur perkussiv spielen, es lassen sich auch wunderbare Obertöne und Naturtonmelodien spielen. Bei Embryo beginne ich manchmal das Konzert mit Morsing.

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Shiva Rhathri - Prozession in Bangalore.

Thavil

Die Thavil ist die Trommel, die in keinem südindischen Tempel fehlt. Die Thavil ist das Begleitinstrument der oboenartigen Nagasvaram.

Dieses  Ensemble heißt „Peria Melam“. Die Aufgabe des Ensembles ist es im Tempel oder auf Prozessionen für die musikalische Untermalung der Zeremonie zu sorgen. So ähnlich wie bei uns der Orgelspieler. Die Besetzung ist üblicherweise 2 Nagasvaram- Spieler, 2 Thavil-Spieler, schwere Metallzimbeln, die das Tala angeben und die Shrutibox, die den Grundton und die Quinte als Bordun-Ton wiedergibt. Shruti und Tala werden meist von den Schülern der Künstler gespielt. Die Thavil- Spieler wechseln sich bei der Begleitung der Nagasvaram ab.

Einige dieser „Kirchenmusiker“ sind auch hoch angesehene Konzertmusiker.

 

Ich spiele die Thavil,  weil sie sich für viele Musikrichtungen hervorragend eignet. Da sie lauter als die Mridangam ist, kann man sie auch in Bands mit Schlagzeug sehr gut einsetzen. Sie lässt sich auch mit afrikanischen Trommeln fantastisch kombinieren.


Geburtstag von Lothar Stahl.

Die Spielweise

Wie Ihr auf dem Foto seht, hat die Thavil auf beiden Seiten ein Fell. Die kleine Seite ist die Bass-Seite und wird mit einem Stock gespielt. Die große Seite ist die Diskant- Seite. Sie ist enorm gespannt.  Diese Seite wird mit den Fingern gespielt und produziert den typischen scharfen Klacker-Sound der Thavil. Zur Unterstützung werden Fingerkappen aus verleimtem Stoff auf die Finger gesteckt. Und ich sage euch, das geht ab.

 


Fingerkappen.

Die linke und ebenso die rechte Seite haben je 2 Positionen zur Sounderzeugung. Den Rand und die Mitte. Der Rand klingt höher und im Bass geschmeidiger.

So hört sich die Thavil an.


Thavil mit Riemenspannung.

Die Bauweise

 

Der Korpus ist aus Jackfruit- Holz. Jackfruit ist in Indien und Indonesien ein beliebtes Holz für Trommeln. Es hat eine gute Feuchtedynamik, sprich es arbeitet nicht zu stark bei unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit, also es schrumpft und dehnt sich kaum. Im Gegensatz zu westlichen Trommeln wird der Korpus aus einem Stück gedrechselt. Daher ist der Korpus der kostbarste Teil einer Thavil.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer es ist ein riss- und astfreies Stück Holz dafür zu finden.

Daher wird der Korpus immer wieder neu bespannt. Eine Bespannung kann mehrere Jahre halten bis sie wieder erneuert werden muss.


Thavil mit Metallspannung.

Die Felle sind aus Ziegenpergament. Pergament ist getrocknete, ungegerbte Haut. Im trockenen Zustand ist es steif und lässt sich kaum biegen. Die Spannung wurde  früher mit Wasserbüffelpergament gemacht. Heute hat sich allerdings eine Metallspannung durchgesetzt. Kein Wunder, wer schon mal eine Thavil mit Büffelpergament gespannt hat, weiß was das für eine Knochenjob ist. Gegen die Thavil- Spannung ist die Spannung der Djembe wie ein nasses Handtuch.


Fell einer Thavil.

Bevor die Felle auf den Korpus aufgespannt werden können, müssen sie vorher auf einen runden Rahmen aus Bambus aufgeleimt werden. Auf das kleinere Fell, also das für die Bass- Seite, wird auf der Innenseite in der Mitte eine dauerelastische schwarze Paste geklebt. Dadurch erhält die Thavil einen geschmeidigeren Bass-Sound, und einen scharfen Slap- Sound wenn man mit dem Stick im Bereich der Paste spielt.

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