Das Tala
Das Tala, und wie es uns hilft den Überblick zu behalten.
Oh ja, das Tala ist wohl eines der genialsten Sachen die uns die Inder der Menschheit nebst Pfeffer, Bollywood und der Null beschert haben.
Leider ist das Konzept des Talas hierzulande unbekannt, könnte es doch die musikalische Kommunikation sehr vereinfachen. Diejenigen die es kennen und nutzen wollen nicht mehr darauf verzichten.
Ja was ist es denn nun eigentlich? Sehen wir doch gleich mal bei Wikipeda nach.
Ein Tala (aus dem Sanskrit) oder Taal (Hindi) ist eine zyklisch wiederholte rhythmische Struktur in der klassischen indischen Musik, und zählt damit neben dem Konzept des Raga, das die melodiöse Struktur festlegt zu deren Grundprinzipien.
Indische Rhythmik unterscheidet sich vom westlichen "Takt"-System grundsätzlich dadurch, dass hier mit längeren Einheiten gearbeitet wird. Ein Tala besteht aus einer bestimmten Anzahl von Schlägen (Matra), die in Gruppen (Vibhag) eingeteilt sind. Das erste Matra einer solchen Gruppe trägt eine gewisse Betonung. Die stärkste Betonung trägt das erste Matra des Zyklus (Sam = gemeinsam, zusammen). Während die Musiker ihre rhythmischen Variationen spielen, treffen sie einander immer wieder auf dieser "Eins". Dadurch bauen sich häufig interessante Spannungen auf, die sich mit diesem gemeinsamen Schlag wieder lösen. Ein Musikstück endet stets auch auf Sam. Manche Vibhags beginnen mit einem unbetonten Matra, dem Khali (wörtlich: leer). Die Abfolge eines Talas kann durch Gesten der Hände angezeigt werden: Das erste Matra jedes Vibhags wird durch Klatschen angezeigt, der Khali jedoch durch eine winkende Bewegung mit der Hand, wobei der Handrücken nach unten zeigt.
Interessant oder, da wissen wir jetzt schon mehr.
Wie kann uns das in unserem Musikschaffen helfen?
Hier nun einige Beispiele anhand von Adi Tala (Chatushra Jati Triputa). Wie wir erfahren haben, teilt das Tala die Takte, den Puls, in Zyklen ein. Ich nenne den Puls hier Beats oder Schläge.
Adi Tala hat 8 Schläge, also ein in der westlichen Musik übliches Zeitmaß. Man könnte es auch Kompositionseinheit nennen. Die meisten Kompositionen, in Ost wie West, sind auf 4 oder 8 Schlägen aufgebaut.
Das Tala zeigt uns nun wo diese 8 Takte anfangen, und wo sie aufhören. Klingt zunächst nicht spektakulär, ist in der Praxis allerdings sehr hilfreich.
In diesem kleinen Film seht ihr wie das Tala mit den Händen angezeigt wird.
Jetzt muss man nicht mehr 32 Take zählen, sonder nur noch 4 Talas. Es lassen sich auch Unregelmäßigkeiten in der Länge oder der Form von Kompositionen leichter feststellen. So lässt sich leicht feststellen, ob eine Einheit z.B. nur 7 oder 15 Takte hat. Natürlich kann man so was auch ohne Tala merken, besonders wenn man sich schon seit 25 Jahren auf 4er und 8er eingegroovt hat.
Doch es gibt viele Beispiele wo man Unregelmäßigkeiten nicht auf Anhieb feststellt. Z.B. The Ocean von Led Zeppelin. Die Melodie klingt schlüssig, geht aber auf 7 ½ Takte.
Das Tala darf man auf keinen Fall mit Rhythmus verwechseln. Das Tala ist das Metronom das mitzählt. Rhythmus ist das was in das Tala hineinpackt wird.
Das Tala gibt uns auch Aufschluss über das Geschehen innerhalb der 8 Schläge. Wir können nun leicht bestimmen wie oft wir bestimmte Phrasen spielen müssen um wieder auf dem Beat raus zu kommen.
Beispiel:
Wir haben 8 Schläge zur Verfügung. Jeder Schlag hat in einem mittleren Tempo 4 Zählzeiten.
Zusammen also 32 Zählzeiten.
Wollen wir also auf der Eins rauskommen, spielen wir 8 x 4. Logisch oder?
Spielen wir eine 4er Phrase auf die Eins, halten wir 7 Schläge Pause und füllen den 8. Schlag. In Zahlen ausgedrückt sieht das dann so aus: 32 – 4 = 28. 28 / 4 = 7 Schläge.
Wollen wir nun 20 Zählzeiten nach der Eins anfangen, wissen wir 5 Schläge sind 20 Zählzeiten. Das heißt, wir setzen auf dem 6. Schlag ein.
Wie sieht es nun mit einer 15er Phrase aus?
32 – 15 = 17, 17 = 4 Schläge + 1 Zähleinheit.
Eine 30 Phrase
32 – 30 = 2, also 2 Zählzeiten Pause, und los geht’s.
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Solche Rechenspiele lassen sich mit Hilfe des Talas hervorragend kontrollieren. Man legt sich seine Phrase die man spielen will zurecht, rechnet sie nach und überprüft sie indem man das Tala klatscht während man die Phrase singt oder spricht. Man kann sich voll auf die Phrase konzentrieren, und muss nicht auch noch die Takte mitzählen.
Der Vorteil der Methode ist, man kann es überall und schnell ohne Hilfsmittel machen. Voraussetzung ist natürlich, das man das Tala kann, eh klar oder?
Hier geht es zum 35 Talasystem, dort erfahrt ihr welche weiteren Talas es noch gibt, und wie sie aufgebaut sind.
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