Das 35 Tala - System
Das südindische Talasystem
Das südindische Talasystem
Das Konzept des Talas geht davon aus, das Musik zyklisch organisiert ist. Der zyklische Ablauf der Musik wird durch das Tala angezeigt und sichtbar gemacht. Das Tala unterteilt lange Zyklen, sodass der Musiker über jede Stelle im Zyklus die Kontrolle hat. Es ist die Orientierungshilfe der Musiker im endlosen Strom der Musik. Das Tala zeigt den Musikern, sowie dem Publikum an welcher Stelle in der Komposition man sich gerade befindet.
Durch klatschen mit den Händen und dem zählen mit den Fingern wir das Tala angezeigt. In südindischen Konzerten wird das Tala nicht nur von den Musikern angezeigt, sondern auch vom Publikum. Das Tala ist der Grundbeat der alle zusammenhält. Es ist das was man in der westlichen Musik als Puls, oder Time bezeichnen würde. Der Unterschied ist, dass der Puls gezählt, also begrenzt - und visuell dargestellt wird.
Die Bestandteile eines Talas:
Talas bestehen meistens aus 3 Elementen.
Laghu, das ist das einzige Element das gezählt werden kann. Je nach Tala kann das Laghu auf 5 verschiedene Arten gezählt werden, nämlich drei, vier, fünf, sieben und neun. Diese Varianten heißen Jati. Die Variante mit vier ist die am weitesten verbreitete.
Angezeigt wird es durch ein Klatschen mit den Handflächen, gefolgt durch das Zählen der Finger, angefangen vom kleinen Finger in Richtung Daumen. Für sieben, acht und neun fängt man wieder beim kleinen Finger an und geht in Richtung Daumen.
Das Symbol für Laghu ist I
Drutham, ist konstant und besteht aus 2 Schlägen. Der erste Schlag mit den Handflächen, der zweite Schlag mit dem Handrücken auf die Handfläche.
Das Symbol für Drutham ist O
Anudrutham, ist auch konstant und besteht aus einem Schlag. Einfaches Klatschen.
Das Symbol für Anudrutham ist U
Durch das Kombinieren dieser 3 Elemente entstehen die 7 Grund Talas.
Übersicht über die 7 Grund – Talas ( Suladi Saptha Talas )
Tala | Name | Anzahl der Schläge | Symbol |
|
|
|
|
Druva | Chatushra Jati Druva Tala | 14 ( 4 2 4 4 ) | I O I I |
|
|
|
|
Matya | Chatushra Jati Matya Tala | 10 ( 4 2 4 ) | I O I |
|
|
|
|
Roopaka | Chatushra Jati Roopaka Tala | 6 ( 2 4 ) | O I |
|
|
|
|
Jhampe | Mishra Jati Jhampe Tala | 10 ( 7 1 2 ) | I U O |
|
|
|
|
Triputa | Trishra Jati Triputa Tala | 7 ( 3 2 2 ) | I O O |
|
|
|
|
Ata | Khanda Jati Ata Tala | 14 ( 5 5 2 2 ) | I I O O |
|
|
|
|
Eka | Chatushra Jati Eka Tala | 4 ( 4 ) | I |
Wie der schlaue Leser sicher bemerkt hat steht Trishja für drei, Chatushra für vier, Khanda für fünf, Mishra für sieben und Sankirna für neun.
Da das Laghu auf 5 Arten gezählt werden kann, erhält man, aus den sieben Talas
insgesamt 35 Talas.
Das ist das südindische 35 Tala – System, auf dem die südindische klassische Musik (Karnataka Sangita oder Carnatic Music) rhythmisch aufbaut.
Und hier die Übersicht über die 35 Talas:
Tala | Trishja Jati | Chatushra Jati | Khanda Jati | Mishra Jati | Sankirna Jati |
|
|
|
|
|
|
Druva I O I I | 11 ( 3 2 3 3 ) | 14 ( 4 2 4 4 ) | 17 ( 5 2 5 5 ) | 23 ( 7 2 7 7 ) | 29 ( 9 2 9 9 ) |
| Mani | Shrikara | Pramana | Poorna | Bhuvana |
|
|
|
|
|
|
Matja I O I | 8 ( 3 2 3 ) | 10 ( 4 2 4 ) | 12 ( 5 2 5 ) | 16 ( 7 2 7 ) | 20 ( 9 2 9 ) |
| Saara | Sama | Udaya | Udeerna | Rava |
|
|
|
|
|
|
Roopaka O I | 5 ( 2 3 ) | 6 ( 2 4 ) | 7 ( 2 5 ) | 9 ( 2 7 ) | 11 ( 2 9 ) |
| Chakra | Patthi | Roya | Kula | Bindu |
|
|
|
|
|
|
Jempe I U O | 6 ( 3 1 2 ) | 7 ( 4 1 2 ) | 8 ( 5 1 2 ) | 10 ( 7 1 2 ) | 12 ( 9 1 2 ) |
| Kadamba | Madhura | Chana | Sura | Kara |
|
|
|
|
|
|
Triputa I O O | 7 ( 3 2 2 ) | 8 ( 4 2 2 ) | 9 ( 5 2 2) | 11 ( 7 2 2 ) | 13 ( 9 2 2 ) |
| Shanka | Adi | Dushkara | Leela | Bhoga |
|
|
|
|
|
|
Ata I I O O | 10 (3 3 2 2 ) | 12 ( 4 2 2 ) | 14 ( 5 5 2 2 ) | 18 ( 7 7 2 2 ) | 22 ( 9 9 2 2 ) |
| Guptha | Lekha | Vidala | Loga | Dheera |
|
|
|
|
|
|
Eka I | 3 | 4 | 5 | 7 | 9 |
| Sudha | Maana | Ratha | Raaya | Vasu |
In der Praxis werden jedoch nicht alle Talas für Kompositionen genutzt. Die beliebtesten sind:
Chatushra Jati Triputa Tala (Adi-Tala)
Khanda Jati Ata Tala
Chatushra Jati Matja Tala
Für die langen Talas wie z.B. Sankirna Jati Druva Tala gibt es keine Kompositionen. Sehr selten werden sie von Perkussionisten auf Soloveranstaltungen gespielt. Wie dieses 29 Beat Tala klingt könnt ihr auf einer CD von T.A.S. Mani von K.C.P. hören. Schickt mir eine E-Mail wenn ihr die CD wollt.
Und nun ein Beispiel für das Anzeigen eines Talas mit den Händen.
Ein sehr beliebtes Tala ist Adi Tala (Chatushra Jati Triputa) mit 8 Schlägen. Die Aufteilung ist Laghu, Drutham, Drutham. Das Laghu wird bis 4 gezählt, die beiden Druthams ergeben auch 4 Schläge, also alles zusammen 8 Schläge.
Laghu
1. Schlag, leeres klatschen
2. Schlag, klatschen und zählen des kleinen Fingers
3. Schlag, klatschen und zählen des Ringfingers
4. Schlag, klatschen und zählen des Mittelfingers
Drutham
5. Schlag, leeres klatschen
6. Schlag, klatschen mit dem Handrücken auf die Handfläche
Drutham
7. Schlag, leeres klatschen
8. Schlag, klatschen mit dem Handrücken auf die Handfläche.
In diesem Filmchen seht ihr wie das Tala geklatscht wird.
Rhythmus und Tempo
Der vom Musiker gewählte Abstand von einer Zähleinheit zur nächsten bestimmt das Grundtempo. Das Grundtempo bezieht sich meistens auf eine Komposition.
Üblicherweise werden pro Schlag 4 Noten (Swaras) gespielt, oder anders ausgedrückt, jeder Schlag hat 4 Zählzeiten. Tempowechsel finden nur durch Halbierung oder durch Verdopplung statt.
Jeder Schlag kann aber auch in Zählzeiten von drei, fünf, sieben und neun gezählt werden. Speziell bei Perkussions-Soli ist dies sehr verbreitet. Dies vermittelt den Eindruck als würde sich das Grundtempo ändern, doch dieses bleibt immer konstant.
Man unterscheidet zwischen 3 Tempi (Kaala).
Vilambita – langsames Tempo (30 Bpm)
Madhyama – mittleres Tempo (60 Bpm)
Drutha – schnelles Tempo (120 Bpm)
In Konzerten kommt nur Vilambita und Madhyama zu Einsatz.
Für Vilambita werden die Bewegungen, wie das Klatschen oder das Zählen der Finger, pro Schlag zweimal ausgeführt. Dies hat Vorteile für das Timing, da der Abstand von einer Zähleinheit zur nächsten dadurch halbiert wird.
Nadai (Gati)
Das Nadai bestimmt wie viele Zählzeiten (Gati) ein Schlag eines Talas hat. Wie oben schon erwähnt hat auch in Indien ein Schlag gewöhnlich 4 Zählzeiten.
Genau wie das Laghu auf 5 Arten gezählt werden kann, wird auch der einzelne Schlag eines Talas auf fünf Arten gezählt, nämlich drei, vier, fünf, sieben und neun.
Ihr ahnt es schon, 35 x 5 = 175 Talas.
Edupu (Graha)
Edupu ist der Einsatzpunkt in einem Tala, an welchem die Komposition oder das Thema, oder ein Rhythmussolo beginnt. Edupu ist mit dem Auftakt in der westlichen Musik zu vergleichen.
Der Startpunkt (die Eins) des Tala heißt Sama. Eine Komposition kann mit Sama, vor Sama (Atheetha Graha) oder nach Sama (Anaahata Graha) beginnen.
Sehr beliebt ist die Variante nach dem Sama, deshalb ist sie auch am meisten ausgeprägt.
Übliche Einsatzpunkte sind 2, 4, 6, Zähleinheiten (Gati) nach Sama, aber auch 3 und 5.
Chapu Tala
Chapu Talas sind sehr populär in der südindischen Musik. Sie gehören nicht zu 35 Tala System und haben ihren Ursprung in der Volksmusik.
Chapu Talas unterscheiden sich dadurch von den übrigen Talas weil sie eine ungerade Grundstruktur aufweisen. Das heißt mindestens ein Schlag im Chapu Tala ist 1 ½ Schläge lang, oder nur einen ½ Schlag lang.
Die beliebtesten Chapu Talas sind Mishra Chapu und Khanda Chapu.
Mishra Chapu Tala
Mishra heißt sieben. Es werden 3 Schläge ausgeführt. gezählt wird 3 + 2 + 2. Aber Vorsicht dieses Tala wird im langsamen Tempo (Vilambita) gezählt und im mittleren Tempo (Madhyama) gespielt.
Dadurch erhält der erste Schlag 6 Zählzeiten, der zweite und der dritte jeweils 2. Insgesamt kommt man dadurch auf 14 Zählzeiten in Madhyama. In diesem Film kannst du sehen wie das Tala gekatscht wird.
Khanda Chapu Tala
Khanda heißt fünf. Es werden wieder 3 Schläge, diesmal mit der Formel 2 + 1 + 2 ausgeführt.
Gespielt wird für den ersten Schlag 4 Zählzeiten und 6 Zählzeiten für die beiden letzten Schläge. Insgesamt also 10 Zählzeiten. Hier siehst du wie Khanda Chapu Tala geklatscht wird.
©2010 Christian Schmidhofer • Mühlraingasse 4 • 36137 Müs (Fulda)
